#neulandAusstellung

#closedbutopen

Es ist eine Ausnahmesituation: Das Museum für Kommunikation Frankfurt ist seit vergangenem Sonntag bis vorerst 10. April für Besucher*innen physisch geschlossen. Führungen und Veranstaltungen vor Ort finden in den kommenden Wochen nicht statt.

Von der Schließung des Museums ist auch unsere neue Sonderausstellung “#neuland: Ich, wir & die Digitalisierung”, eine Gemeinschaftsproduktion des Museumsstiftung Post und Telekommunikation und der Nemetschek Stiftung, betroffen. Da die Ausstellung momentan nicht besucht werden kann, laden wir Euch ein, die Ausstellung digital in unserem Expotizer zu erkunden.

#neuland: Ich, wir und die Digitalisierung

Eine Ausstellung der Museumsstiftung Post und Telekommunikation und der Nemetschek Stiftung.

Stellen wir uns die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf Identität und Gesellschaft als großes Land vor. Ein Land, das uns in Teilen schon vertraut ist – in dem es aber auch noch unendlich viel zu entdecken gibt!

Die Freiheit der digitalen Welt ist jedoch auch mit Herausforderungen für uns als Individuen und für die Gesellschaft verbunden. Wie wirkt sich die Digitalisierung ganz konkret auf unser Leben aus? In welchen Bereichen verändert sie die Gesellschaft?

Online und offline verhandeln wir Kommunikationsregeln neu. Wissen und Informationen sind auf ungewohnten Wegen und Kanälen zugänglich. Neue Formen von Beziehungen und Freundschaften entstehen.

Die Grenzen zwischen digitaler und analoger Realität lösen sich in der Digitalität immer mehr auf, Verhaltensmuster aus der Netzwelt formen unser Miteinander. Alltägliches verlagert sich ganz selbstverständlich ins Digitale.

Diese digitale Transformation wird unterschiedlich erlebt: Was für die einen ein natürlicher Wachstumsprozess ist – eine digitale Evolution – erscheint den anderen als beinah gewaltsame digitale Revolution, die vertraute Werte und Normen durcheinanderwirbelt.

Ich bin, was ich bin? Identität im Internet


In der digitalen Kultur stellt sich die Frage nach der eigenen
Identität an vielen Stellen im Privat- und Berufsleben ganz neu. Wir erstellen in sozialen Netzwerken oder auf beruflichen Kommunikations-Plattformen unsere individuellen Profile. Wir entscheiden bewusst, was wir herausstellen möchten, wie wir uns beschreiben und welches Foto dieses Selbstbild unterstreicht. Wir senden ein Bild von uns in die Welt, wie wir wahrgenommen werden möchten.

Gleichzeitig erstellen Wirtschaftsunternehmen und staatliche Behörden auch digitale Profile von uns. Diese Profile sind quantitativ und basieren auf Zahlen und Daten.

Durch die Sammlung von personenbezogenen Daten, Metadaten und Ähnlichem wird der Mensch zum Datensatz. Auf dieser Basis können unser individuelles Verhalten vorhergesagt oder Vorlieben erkannt – und personalisierte Angebote gemacht – werden.

Diese Profile werden genutzt, um uns in ökonomischen, rechtlichen oder bürokratischen Zusammenhängen zu registrieren und zu identifizieren. Dank unserer datenbasierten Profile erhalten wir so eine Identität als Kundin, als Bürger oder als Straftäter*in.

WER BIN ICH IM NETZ UND WIE VIELE?
Wie geht eine Gesellschaft damit um, dass jede*r von uns mehrere Identitäten haben kann?
Was bedeutet das Entstehen eines Datenschattens für den Schutz unserer Identität?

Noch mehr Gerede! Die Kommunikationsflut

Die Kommunikation hat sich durch den digitalen Wandel extrem beschleunigt. Twitter überholt oft die klassischen Nachrichtenkanäle. Video des YouTubers Rezo, eine Politikschelte, hatte sechs Monate nach Veröffentlichung über 16 Millionen Aufrufe. Trotzdem hat längst nicht jede*r dieses Video gesehen.

So entstehen Teilöffentlichkeiten: Unterschiedliche Menschen beziehen ihre Informationen über unterschiedlichste Quellen oder leben in ihrer eigenen Filterblase. Digitale Kommunikationswege erreichen eine breite Öffentlichkeit ohne den Umweg über Verbände, Parteien und Massenmedien.

Längst wird nicht mehr alles, was wir an Informationen aufnehmen, von Menschen verfasst: Sport, Wetter oder Börsennews werden heute schon automatisiert erstellt. Nicht nur Textroboter (> Socialbot) verarbeiten Sprache und Kommunikation, sondern unser Alltag wird bevölkert von smarten Assistenten wie Siri, Alexa und Co., die über Spracherkennung funktionieren.

Ebenso werden Fake News oder Verschwörungstheorien gezielt gestreut und verbreitet, um Aufmerksamkeit zu generieren. Gegen diese Falschmeldungen formiert sich deshalb seit einigen Jahren ein Netzwerk von Faktenchecker*innen.

Der öffentliche Diskurs ist schärfer geworden. Leidtragende sind Einzelpersonen, aber auch Gesellschaftsgruppen, die immer wieder Ziel von Hasskommentaren werden.

Wer hört zu, wenn wir mit Maschinen reden?

Hate Speech VS. meinungsfreiheit: Ist ki die lösung?

Welche Strategien nutzt Ihr zum Umgang mit all der Online-Kommunikation?

Unter Druck? Selbstoptimierung als Lebensstil

Von der Erfassung des Körpergewichts durch die heimische Waage bis zur Verbrechensbekämpfung durch Biometrie – seitdem die technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, wird mit der Vermessung des Menschen experimentiert.

Mit der Digitalisierung haben sich die Möglichkeiten der Vermessung scheinbar ins Unendliche gesteigert. Fitness- und Gesundheits-Apps  oder Weareables erfassen Körperwerte und Bewegungsprofile und geben uns selbst und der Welt Auskunft über unsere körperliche Verfassung.

Auch die Funktionalität von sozialen Netzwerken und Sharing-Plattformen basiert auf messbaren Größen und Zahlenwerten. Hier geht es nicht mehr darum, sich selbst zu bewerten, sondern vorrangig um die Bewertung durch andere. Ratings, Scorings und Likes sind die sozialen Währungen, um das soziale Ich zu bewerten.

Die Folge dieser beiden Ansätze ist Selbstoptimierung. Das Individuum gerät immer stärker unter den Druck, Körper, Geist und individuelle Fähigkeiten zu verbessern.

Was erzählt Selbstvermessung eigentlich über unser Selbst?
Führen mehr Daten zu mehr Wissen über den Gesundheitszustand der Gesellschaft?

Vertrau mir … – Beziehung online

Die nächste Verabredung ist nur einen Swipe – also eine Wischbewegung – entfernt. Zahhlose Plattformen, Foren und Netzwerke versprechen das perfekt Match. Das digitale Land der unbegrenzten Möglichkeiten vereinfacht nicht nur unsere Partner*innensuche; der Algorithmus trifft sogar für uns Entscheidungen.

Nie war es so einfach, jemanden mit den gleichen Interessen kennenzulernen. Ob für eine Liebesbeziehung oder eine Freundschaft – für jedes Bedürfnis gibt es die passende Plattform. Und sollte der Algorithmus einmal nicht die passende Wahl treffen, brechen wir im schlimmsten Fall gänzlich ohne Erklärung den Kontakt ab (> Ghosting) und suchen mit dem nächsten Vorschlag nach dem richtigen Gegenstück. Wer ein ganz perfides Spielt treibt, der “übebrückt” die Zeit bis zum nächsten Date sogar durch Benching oder Breadcrumbing. 

Gleichzeitig steigt gerade in der Generation Y die „Fear of Missing Out“ (kurz FOMO, dt. die Angst, etwas zu verpassen). Was, wenn auf einem anderen Portal noch eine spannendere, schönere, attraktivere Person auf uns warten würde? Was, wenn unser*e Traumpartner*in eine andere Wahl trifft, während wir gerade nicht online sind?

Ängste wie diese können uns daran hindern, uns authentisch zu verhalten und in vertrauensvollen, verbindlichen Kontakt mit anderen zu treten.

Welchen Wert haben meine Online-Beziehungen für mich – und welchen Wert verleihen sie mir?
Wie viel Aufmerksamkeit braucht es, um aus einem Online-Kontakt eine Online-Beziehung entstehen zu lassen?

HAST DU SCHON EINMAL EIN DIGITALES BEZIEHUNGSPHÄNOMEN SELBST ERLEBT?

Wissen für alle?

Der potentiell uneingeschränkte Zugang zu Daten und Informationen für alle, die Demokratisierung von Wissen, ist ein Ideal aus der Frühzeit des World Wide Webs. Was ist uns davon bislang gelungen?

Die sogenannte „Wissenskluft-Hypothese“ besagt: durch den Gebrauch der Kommunikations- und Medientechnologien werden die bereits „gut Informierten“ immer besser informiert, die „schlecht Informierten“ verharren auf niedrigem Wissensniveau. Die Unterschiede im Zugang zur Nutzung, die „Digitale Kluft“ könnte die Gesellschaft spalten.

In Zukunftsprognosen zur digitalen Wissensgesellschaft kommen zugleich Hoffnungen und Sorgen auf: So befürchten die einen soziale Verarmung, Reizüberflutung und den Verlust gesicherter Wissensbestände.

Andere hoffen auf eine offenere Gesellschaftsform, die den individuellen Zugang zu Bildung erleichtert und damit zum Ende sozialer Ungleichheit beiträgt. Mit dem digitalen Wandel stellen sich zentrale Fragen für uns als Gesellschaft neu.

Kann man durch YouTube-Gucken lernen?
Wie kann man mit Offenen Daten die Gesellschaft verbessern?
Ist Faktenchecken die Lösung bei Desinformation im Netz?

WIE VIELE PROFILE HAST DU ONLINE?
AbstimmenErgebnisse
“Da wir viele Rollen spielen die sich zum Teil sogar widersprechen (…) müssen wir die Frage, wer wir als Handelnde wirklich sind, situationsspezifisch beantworten.“
Heinz Abels, Soziologe
Der Datenschatten wird oft als Eisberg beschrieben. Oben in der Spitze liegt unser sichtbares Onlinehandeln. Unter Wasser liegt ein riesiger verborgener Körper mit gesammelten Informationen und Daten.
Manche Menschen kommunizieren jetzt schon ganz selbstverständlich mit Maschinen: mit dem Sprachprogramm unserer Smartphones, mit smarten Lautsprechern in unseren Wohnräumen oder mit dem Service Bot im Möbelhaus.

Schon ELIZA, ein 1966 programmiertes Therapieprogramm, kommunizierte in ähnlicher Weise wie ein heutiger Social Bot.

Es gelang ELIZA, trotz der Begrenztheit ihres Phrasenrepertoires, längere Gespräche aufrecht zu erhalten. Joseph Weizenbaum – Pionier auf dem Gebiet der Erforschung künstlicher Intelligenz – erschuf sie zwischen 1964 und 1966.

„E.L.I.Z.A. Talking“ ist ein Projekt zur Erforschung der Möglichkeiten von Sprachausgabe in modernen Browsern (scripts by Norbert Landsteiner).

Wie wirkt sich die Digitalisierung ganz konkret auf unser Leben aus? In welchen Bereichen verändert sie die Gesellschaft? Biografische Interviews sind ein zentraler Teil der Ausstellung, in ihnen berichten Bürger*innen aus ihrem Alltag und von ihren Erfahrungen.

WELCHE STRATEGIEN NUTZT IHR ZUM UMGANG MIT ALL DER ONLINE-KOMMUNIKATION?
AbstimmenErgebnisse
„Aus Daten und Zahlen allein, wie umfassend sie auch sein mögen, ergibt sich keine Selbsterkenntnis. Zahlen erzählen nichts über das Selbst. Zählung ist nicht Erzählung. Das Selbst verdankt sich aber einer Erzählung. Nicht zählen, sondern Erzählen führt zur Selbsterfindung oder zur Selbsterkenntnis.“
Byung-Chul Han, Philosoph

WELCHE KÖRPERDATEN WÜRDEST DU IM NETZ TEILEN?
AbstimmenErgebnisse

Wie wirkt sich die Digitalisierung ganz konkret auf unser Leben aus? In welchen Bereichen verändert sie die Gesellschaft? Biografische Interviews sind ein zentraler Teil der Ausstellung, in ihnen berichten Bürger*innen aus ihrem Alltag und von ihren Erfahrungen.

WIE LANGE MÜSSTEST DU DICH MIT EINER NEUEN NETZBEKANNTSCHAFT AUSGETAUSCHT HABEN, BEVOR DU DAS GEFÜHL HAST, EINE WIRKLICHE BEZIEHUNG ZU DIESER PERSON AUFGEBAUT ZU HABEN?
AbstimmenErgebnisse

HAST DU SCHON EINMAL EINES DER FOLGENDEN BEZIEHUNGSPHÄNOME ERLEBT?
AbstimmenErgebnisse

Als informelles Lernen bezeichnet man Lernen unabhängig von Lehrplänen und Studieninhalten. Nicht immer ist das Lernen geplant, viele Freizeitmedien sind so unterhaltend, dass der Lerneffekt sich nebenbei einstellt. Aus diesen digitalen Lernhilfen haben sich eigene Genres entwickelt, wie Tutorials bei YouTube, Serious Games oder Wissenschaftspodcasts

Wem gehören die Daten und wer darf sie nutzen? Die Idee von Open Data beinhaltet die Bereitstellung freier nutzbarer Daten, zum Bespiel der öffentlichen Verwaltung, für alle. In dem Projekt „Jugend hackt“ der Open Knowledge Foundation arbeiten Jugendliche in Rahmen von Hackathons an eigenen Digital-Projekten.

Ein Team bei Jugend Hackt in Heidelberg hat „Awearness“ als Prototyp entwickelt. Die Idee: Ein Armband aus dem 3D-Drucker meldet sich mit Vibration, wenn man sich in Berlin in der Nähe einer Überwachungskamera befindet. Dieses offenen Daten stammen von einer Open Street Map, in der Überwachungskameras dokumentiert sind.

Die hoaxmap.org ist eine Webseite, die sich auf Fake News in Verbindung mit Asylsuchenden fokussiert hat. Karolin Schwarz recherchiert mit Lutz Helm als Faktenfinder*innen den Nachrichten hinterher, die ursprünglich oft aus Lokalzeitungen entnommen sind.

Glossar

Algorithmus

Als Algorithmus wird allgemein eine schrittweise ausführbare (Rechen)Vorschrift zur Lösung eines Problems bezeichnet. Dieses kann z.B. die Kalkulation des kürzesten Wegs im Navigationssystem sein. Umstrittener sind Algorithmen, die aufgrund von Handlungen eines Users (z.B. Käufen im Internet oder dem Besuch von Webseiten) dessen Verhalten analysieren, ein Profil erstellen und das zukünftige Verhalten (im harmlosesten Fall für personenbezogene Werbung) voraussagen.

Demokratisierung von Wissen

“This is for everyone“ schrieb Tim Berners-Lee 2012 in einem Tweet und meinte damit das Internet, welches er 1992 mit dem World Wide Web für ein großes Publikum zugänglich gemacht hat. Das Konzept eines internetbasierten Netzwerks mit Servern, Webseiten, Links und Browsern ermöglichte unser heutiges Internet. Berners-Lee setzt sich auch 30 Jahre später verstärkt für ein freies und offenes Netz ein. In seinem „Contract for the web“ fordert er daher dezentrale Datenspeicherung und mehr Rechte für die Nutzer*innen.

Fake News

Mit dem Begriff der Fake News bezeichnen wir Falschmeldungen. Halbwahrheiten, die von Medien skandalhaft dargestellt werden, die gezielt gestreut und verbreitet werden, um Aufmerksamkeit zu generieren. Fake News begünstigen Vorurteile und Ängste innerhalb der Gesellschaft und befördern einfache „Wahrheiten“, die komplexen Zusammenhängen selten gerecht werden. Die schnelle Verbreitung durch Online-Kanäle in die digitale Öffentlichkeit, erzeugt neue Dynamiken der Desinformation, insbesondere in der politischen Kommunikation vor Wahlen.
 

Generation Y

Der Begriff Generation Y bezeichnet die Generation derjenigen, die im Zeitraum der frühen 1980er bis zu den späten 1990er Jahren geboren wurden und für die der Umgang mit digitalen Inhalten bereits selbstverständlich zum Alltag und zum Berufsleben gehört. Viele ihrer Mitglieder zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine sinnerfüllende Arbeit und Freizeit mit einem besonders hohen Maß an sozialer Sicherheit verbinden wollen.

Identität

Allgemein unterscheidet man zwischen der rechtlichen Identitätsfeststellung einer Person, die mit bürgerlichen Rechten und Pflichten verknüpft ist, und der personalen Identität, bei der psychologische und soziologische Merkmale das Selbstverständnis einer Person oder Gruppe charakterisieren. In der Psychologie versteht man unter der Identität, die als „Selbst“ erlebte innere Einheit einer Person.
Die Identität des Menschen ist Forschungsgebiet vieler wissenschaftlicher Disziplinen. Einer der bekanntesten Identitätsforscher ist der Philosoph und Soziologe George Herbert Mead (1863 – 1931). Er vertritt die These, dass Identität erst durch die gesellschaftliche Interaktion entsteht: „Identität entwickelt sich; sie ist bei der Geburt anfänglich nicht vorhanden, entsteht aber innerhalb des gesellschaftlichen Erfahrungs- und Tätigkeitsprozesses, das heißt im jeweiligen Individuum als Ergebnis seiner Beziehungen zu diesem Prozess als Ganzem und zu anderen Individuen innerhalb dieses Prozesses.“
 

Personenbezogene Daten

Personenbezogene Daten ist ein Begriff aus dem Datenschutzrecht. Gemeint sind damit alle Daten, die einer bestimmten Person zugeordnet sind, oder eine Person bestimmbar machen. Wie bspw. Daten über persönliche und sachliche Verhältnisse, oder auch Daten, die Rückschlüsse auf die Persönlichkeit erlauben.
 

Selbstoptimierung

Wie werde ich ein besseres Ich? Für zunehmend mehr Menschen weltweit gehört die Selbstoptimierung inzwischen zu ihrem Lebensstil. Verbessert werden nicht nur Fitness und der gesundheitliche Zustand, sondern auch die Stimmungslage, der Umgang mit anderen, der Blick auf das Leben selbst: alles gilt es zu optimieren.
Durch digitale Anwendungen wird unser Bemühen um Selbstverbesserung unterstützt. Apps können erinnern, motivieren, ermahnen. Machen wir die Ergebnisse öffentlich, dann zeigen uns sogenannte Rankings, wo wir im Vergleich zu anderen stehen. Was aber, wenn aus Selbstoptimierung Selbstüberforderung wird?
 

Verschwörungstheorien

Weltweit gibt es Verschwörungstheoretiker*innen, die glauben, die Erde sei flach. Ihre Community scheint zu wachsen, Verschwörungsvideos werden über YouTube geteilt. Die „Flache-Erde“ ist Inhalt diverser Meme im Internet, diese werden sowohl von Befürwortenden und Skeptiker*innen eingesetzt. Verschwörungstheorien reduzieren Komplexität: Sie führen unübersichtliche Situationen und Krisen auf einzelne überschaubare Lösungen zurück und leugnen wissenschaftliche Erkenntnisse.

Benching

„Benching“ bedeutet, eine Person auf der „Wartebank“ sitzen zu lassen. Man hält sie hin, bricht den Kontakt zwar nicht ganz ab, lässt aber auch keine Nähe zu. Reale Treffen werden kurzfristig wegen vermeintlich wichtigerer Termine abgesagt, Nachrichten phasenweise gar nicht oder nur sehr sporadisch beantwortet – kurz: Die Prioritäten liegen an anderer Stelle, aber der Kontakt mit der wartenden Person soll stets als Option erhalten bleiben.
 

Digitale Evolution

Der Begriff Evolution bezeichnet im Allgemeinen eine langsame und kontinuierliche Veränderung auf der Grundlage kleiner Entwicklungsschritte. In der Systemtheorie ist ein evolutionärer Vorgang gekennzeichnet durch die wiederholte Ausführung von Kopiervorgängen mit zufälligen Variationen und anschließender Auswahl (Selektion).

Faktencheck

Faktenchecker*innen sind neu im Zeitalter der digitalen Medien. Es stellt sich die Frage: Wem vertraue ich? Was beziehungsweise wer ist eine sichere Quelle? Die Washington Post führte 2007 eine Skala von „Pinocchios“ ein. Je mehr Pinocchios ein*e Politiker*innen bekam, desto stärker war er/sie in eine nachweisbare Lüge verstrickt. Mittlerweile gibt es international ein Netzwerk von Faktenchecker*innen. Dazu gehören Correctiv, Mimikama oder der ARD Faktenfinder. Alle Checks müssen transparent sein und den Rechercheweg darlegen, sodass Leser*innen die Recherche selbst nachvollziehen können.
 

Ghosting

„Ghosting“ bezeichnet das Phänomen, in einer Beziehung oder Freundschaft plötzlich vollständig und ohne Begründung den Kontakt abzubrechen. Nachrichten und Anrufe werden ignoriert, E-Mails nicht beantwortet, Chats stumm geschaltet. Dieses Verhalten kann als Symptom der Unverbindlichkeit von Netzkommunikation gelesen werden – aber auch als Konfliktvermeidungsstrategie, die es in ähnlicher Form schon immer gegeben hat.
 

Künstliche Intelligenz

Unter Künstlicher Intelligenz (KI oder auch AI) versteht man den Versuch, vom Menschen als intelligent eingestufte Verhaltens- oder Entscheidungsmuster durch Maschinen nachzubilden. Einer der aktuell am meistbeachteten Ansätze ist der des „Machine Learnings“: Hier lernt der Computer mit Hilfe von neuralen Netzwerken weitgehend autonom unter der Berücksichtigung einer sehr großen Anzahl von Fallbeispielen.

Profil

Das Wort “Profil” stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie Seitenansicht oder Umriss. Ursprünglich verstand man unter Profil also die unverwechselbare und nicht kopierbare Silhouette eines menschlichen Körpers. Inzwischen versteht man unter einem Profil ein charakteristisches Erscheinungsbild, ein aufgrund bedeutender Fähigkeiten stark ausgeprägtes Persönlichkeitsbild beziehungsweise die Gesamtheit von Eigenschaften, die unverwechselbar typisch für jemanden sind.
Darüber hinaus haben sich datenbasierte Profile entwickelt. Die bekanntesten Formen sind das Benutzerprofil, das Kundenprofil oder das Bewegungsprofil. Diese Profile sind Datenabbilder und werden maschinell erfasst, kategorisiert, verwaltet und bearbeitet.
 

Social Bot

Ein Social Bot ist ein Computerprogramm, dass in sozialen Medien eingesetzt wird, um automatisch Antworten zu senden oder zu posten. Der Algorithmus scannt die Posts nach bestimmten Stichwörtern. Es werden echt wirkende Fake-Profile erstellt, die ein menschenähnliches Verhalten aufweisen und beispielsweise auf bestimmte Hashtags reagieren. Sie können zur Verbreitung von Werbung beitragen oder politische Strömungen verstärken.

Wearables

Wearables sind kleine Computertechnologien, die man am Körper trägt. Mit Wearables wird üblicherweise eine Tätigkeit in der realen Welt unterstützt und ausgewertet, z.B. Armbänder zur Erfassung von sportlichen Aktivitäten, Smartwatches oder Datenbrillen.
 

Digitale Revolution

Revolutionen bewirken grundlegende und nachhaltige Veränderungen, oft in vergleichsweise kurzer Zeit. Bezogen auf die Digitale Revolution spielt zudem die tiefgreifende Veränderung aller Lebensbereiche durch den technischen Fortschritt eine wichtige Rolle.

Filterblase

Der Begriff Filterblase wurde 2011 zum ersten Mal vom Internetaktivisten Eli Pariser benutzt und beschreibt den Effekt von personalisierten Auswahlalgorithmen in Suchmaschinen oder sozialen Netzwerken. Durch diese Filter würde die Anzeige von Inhalten bevorzugt, die mit den bestehenden Ansichten des Nutzer übereinstimmten und andere Meinungen ausgeschlossen, so dass sich eine „Informationsblase“ bilde. Wie stark dieser Effekt ist und welchen Einfluss er auf die Meinungsbildung hat, ist jedoch umstritten.

Hass im Netz

Wie verändert sich der Umgangston im Internet? Unter dem Begriff des Trollens werden mit provokanten Äußerungen Soziale Netzwerke aufgemischt. Dort kommunizieren wütende-Bürger*innen nicht nur miteinander, sondern kapern Diskussionen und Hashtags. Manche agieren vereinzelt, andere handeln koordiniert, in Online-Foren oder in geschlossenen Messenger-Kanälen als Orten des Dark Social. Sie richten sich gegen Lebensstile und hetzen u.a. rassistisch, sexistisch oder anti-feministisch. Handeln hier Menschen oder Maschinen? Nicht jede*r mit Zweit- oder Drittaccounts – sogenannte Sockenpuppen – bedient eine Bot-Armee. Meist stecken hinter den unzähligen Fake-Accounts Menschen, die sich in ihren Haltungen gegenseitig bestärken und diese erfolgreich über ihre vielen Accounts hinweg verbreiten.
 

Match

Ein „Match“ erzielt man im Bereich des Online-Dating, wenn man das Profil eines anderen Users Interesse geweckt hat und der Besitzer / die Besitzerin des betreffenden Profils dieses Interesse erwidert.
 

Rating

Das Wort “Rating” stammt vom englischen Verb “to rate” ab und bedeutet “bewerten” oder “(ab)schätzen”. Unter Rating versteht man die Leistungsbeurteilung beispielsweise von Dienstleistern wie Hotels oder Restaurants. Diese Nutzerbasierten Ratings werden vor allem nach subjektiven Kriterien durchgeführt. Ratings nach objektiven Kriterien sind beispielsweise sogenannte Kredit-Rankings, welche die Bonität eines Wirtschaftsunternehmens oder Staates beurteilen.
 

Teilöffentlichkeiten

Der Ausdruck “Teilöffentlichkeit” bezeichnet das Phänomen, dass gesellschaftliche Themen nicht mehr massenmedial, sondern in Teilöffentlichkeiten wie Blogs oder Social Media geteilt werden. Es entstehen so neue Kommunikationsräume. Innerhalb dieser persönlichen Öffentlichkeiten fehlen übergeordnete redaktionelle Instanzen als Gatekeeper.

Wissensgesellschaft

Wissensgesellschaft beschreibt eine Gesellschaft in hochentwickelten Ländern, in der individuelles und kollektives Wissen, eine tragende Rolle spielt. Bezeichnend ist, dass die Mehrheit der Bevölkerung über Voraussetzungen verfügen, die es ihnen erlauben, das Angebot an Informationen kritisch und uneingeschränkt zu nutzen, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können. Die allgemeine Verbreitung des Begriffes zu Beginn des 21. Jahrhunderts beruht großteils auf der mit der Digitalen Revolution verbundenen massenhaften Nutzung neuer Medien.
 

DATE

Verliebtsein gehört zu den schönsten Gefühlen der Welt: Unabhängig davon, ob es on- oder offline passiert. Und wenn man sich sympathisch ist und auf das erste Treffen ein zweites und ein drittes folgt, dann nimmt das Gegenüber eine immer wichtigere Rolle im eigenen Leben ein. Die Gedanken schweifen immer wieder in die Ferne, man sehnt sich nach dem nächsten Kontakt, der nächsten Nachricht, dem nächsten Treffen.
Schmetterlinge im Bauch haben, auf Wolke sieben schweben – den Zustand des Verliebtseins versuchen Menschen seit Jahrhunderten zu beschreiben. Er manifestiert sich in wunderbarer Literatur, in Gemälden, Gedichten, Liedern – und in Briefen.

Digitale Transformation

Transformationen sind Übergangsprozesse von einem stabilen Ausgangszustand hin zu einem neuen, fundamental unterschiedlichen Zielzustand. Oft wird der Begriff Transformation für eine Entwicklung verwendet, bei der im Vorfeld ein angestrebter Zielzustand definiert wird.

FOMO

Die Fear of missing out (dt.: Angst, etwas zu verpassen, Akronym FOMO) beschreibt die zwanghafte Sorge, eine soziale Interaktion, eine ungewöhnliche Erfahrung oder ein anderes Ereignis zu verpassen und nicht mehr auf dem Laufenden zu bleiben. Dieses Gefühl geht besonders mit modernen Technologien einher bzw. wird davon verstärkt.

Identifikation

Grundlage unseres Rechtsstaates ist es, dass der Staat in der Lage ist, über Personaldokumente eine Identitätszuschreibung vorzunehmen. Die sogenannten „Papiere“ geben Auskunft darüber. Im Zuge der Digitalisierung wird aber die weitgehend auf Papier basierende Verwaltung vor die Frage gestellt, wie Identifikationsprozesse an die technische Entwicklung angepasst werden müssen.
Außerdem muss der Staat Rechtssicherheit herstellen können, indem er Straftaten online und offline zunächst aufklärt und anschließend juristisch verfolgt.
Staat und Bürokratie sind durch die Digitalisierung herausgefordert, neue Lösungen sowohl für den Schutz von Privatautonomie und Freiheitsrechten, als auch für die Legitimation und Identifikation von Bürger*innen zu suchen.
 

Personalisierung

Mit der Googles Suchmaschine erschließen sich viele Menschen die Welt. Google nutzt die sogenannte personalisierte Suche. Wir Nutzer*innen wissen nicht, was dabei mit unseren Daten passiert. Für das beste Suchergebnis werden Informationen über den Suchenden ausgewertet. Dies führt je nach Standort, Browser, Freundesnetzwerk und unter Einbeziehung vorheriger Suchanfragen potentiell zu unterschiedlichen Ergebnissen in der Onlinesuche. Jede*r schaut durch eine personalisierte „Brille“ auf die Welt.
 

Scoring

Ein Vergleichswert, der menschliches Verhalten mit statistischen Methoden erfasst, um aus gesammelten Erfahrungen aus der Vergangenheit das Verhalten in der Zukunft prognostizieren zu können.
 

Vermessung

Methoden der Selbstvermessung haben ihren Ursprung im Wesentlichen im medizinischen Bereich. Puls, Blutdruck oder das Gewicht werden bereits seit dem 19. Jahrhundert erfasst und dokumentiert. Auch Menschen, die unter chronischen Krankheiten wie z.B. Diabetes leiden, führen akribisch Tagebuch über ihre Körperwerte – um den Krankheitsverlauf zu beobachten und um gegebenenfalls notwendige Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes ergreifen zu können.
Durch die Digitalisierung ermöglichen uns sogenannte Wearables – also Geräte wie Fitnessarmbänder oder smarte Armbanduhren – und unser Smartphone, Daten zu erfassen, die wir im Alltag produzieren. So können wir beispielsweise die Schritte zählen, die wir täglich gehen; das Essen dokumentieren, das wir zu uns nehmen; die Flüssigkeitsmenge erfassen, die wir trinken; oder aufzeichnen, wie lange und tief wir in der Nacht schlafen. Auch Glücksgefühle und Stimmungen können mit einfachen Methoden festgehalten und über längere Zeiträume beschrieben werden.

 

Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Folgen Sie uns in den Sozialen Medien oder abonnieren Sie unseren Newsletter – so erfahren Sie alle Neuigkeiten rund um die Ausstellung #neuland: Ich, wir und die Digitalisierung zuallererst!

Flyer mit Begleitprogramm

Leben & Lernen X.0

Museum für Kommunikation Frankfurt